Das Wort „Projekt“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „der Entwurf“, „das Vorhaben“. Im Kindergarten bezeichnen wir mit dem Begriff „Projekt“ die geplante, längerfristige, konkrete Beschäftigung mit einem Thema.

Dies bedeutet auch, dass bestimmte Aktivitäten geplant und durchgeführt, dass Ziele gesetzt werden und schließlich geschaut wird, ob das Projekt auch erreicht wurden.

Manche Projekte dauern Wochen oder gar Monate andere wiederum nur ein paar Tage oder sind sogar langfristig und begleiten den Alltag!

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie man zu der Planung einer Projektarbeit im Wald kommen kann. Zum einen kann sich das Thema aus der Situation heraus einfach ergeben. Zum anderen kann die Idee als Vorschlag von den Kindern kommen oder aber die Erzieher unterbreiten einen bereits ausgearbeiteten Vorschlag.

In unserem Kindergarten wird demokratisch abgestimmt und so werden Projekte in der Regel in der Gruppe besprochen und das weitere Verfahren gemeinsam festgelegt.

In der Phase der Planung wird gemeinsam überlegt, welche Orte, Materialien, Hilfen usw. man für das Projekt benötigt. Der organisatorische Ablauf und seine Planung führt zu vielen erzieherisch wirksamen Prozessen. Die Kinder lernen, persönliche Bedürfnisse, Interessen und Wünsche auszudrücken, anderen zuzuhören und ihre Äußerungen zu verstehen und – bei unterschiedlicher Meinung – Kompromisse zu finden. Sie sollen ermutigt werden, offen über ihre Gedanken und Gefühle zu sprechen und sie dürfen erfahren, dass sie darin ernst genommen werden! – Umgangsformen und Gesprächsregeln werden hier ganz praktisch gelernt und angewandt und auch Konflikt- und Problemlösungstechniken kommen zum Einsatz. In unserem Kindergarten besteht zum Beispiel das dauerhafte Projekt der Gewaltprävention und des Konfliktmanagements. Die Erzieher arbeiten kontinuierlich an der Umsetzung von Respekt und Achtsamkeit, ein jeder gegenüber seinem Nächsten, ebenso wie gegenüber der Natur und ihren Lebewesen. Ein wichtiger Leitsatz, der daraus entstanden ist lautet: „STOPP, NICHT MIT MIR!“ – Die Kinder verwenden diesen Satz, um deutlich zu machen, dass ihre Grenze erreicht ist und sie etwas nicht möchten.

In der Vorbereitung des Projekts werden die Kinder durch die Einbeziehung der Umwelt, das Erfragen schon bekannter Informationen zum Projektthema usw. in etwa auf einen „Stand der Dinge“ gebracht. In unserem Kindergarten ergab sich gerade das Interesse an den verschiedenen Blättern der Bäume und es entstand das Projekt eines Herbariums, das nach den Sommerferien in der Neugierkiste starten wird.

In der Durchführung dann kommt es zum Umgang mit Medien, es wird kreativ-ästhetisch gearbeitet, die Sprache wird gefördert, Bewegung und Motorik werden geschult, es kann in Einzel- oder Gruppenarbeiten gearbeitet werden, es kommt zu Kooperation und Selbsttätigkeit, kognitive und sozial-emotionale Bildung finden ebenfalls Bedeutung. Das Projekt „Die Welt im Wald“, das unser 15-jähriges Jubiläum unterstützen wird, vereint all diese Komponente und lässt die Kinder über mehrere Wochen hinweg auf verschiedenen Ebenen mit dem Thema „Welt“ in Berührung kommen.
Die Präsentation des Projektergebnisses kann sich unterschiedlich gestalten. So endete das Projekt zu Rittern und dem Mittelalter im letzten Jahr in einem großen thematischen Sommerfest, ein Musik-Projekt kann in einer Aufführung, einer Collage usw. enden. Die Möglichkeiten der Präsentation sind vielfältig und können kreativ umgesetzt werden.

Wichtig ist es, dass man nach Beendigung des Projekts eine Reflexion mit den Kindern ansetzt, in der sie erzählen können, was ihnen warum (nicht) gefallen, Spaß gemacht hat, was sie sich nun wünschen, ob sie etwas anders machen würden beim nächsten Mal usw.. Auch offene Fragen zum Thema können in einer solchen Abschlussauswertung geklärt werden.

Wenn man sich bezüglich der Projektthemen fragt, was es alles gibt, so sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Einige Möglichkeiten sind z.B.: Indianer, Dinosaurier, Wald und Wiese, Märchen, Mittelalter, die Welt (Thema unseres Sommerfests in diesem Jahr und somit Projektthema der vergangenen Wochen), Schule, Berufe, Hexen, Fasching, Tiere, …

Diese Art der Arbeit mit den Kindern verlangt von allen Beteiligten 100 %-igen Einsatz! Auch für die Erzieher sind natürlich viele Dinge unbekannt und werden mit den Kindern gemeinsam erarbeitet. Dies setzt vor allen Dingen eine gründliche Vorbereitung und Planung voraus. Auch für Beobachtungen des Entwicklungsstands der Kinder muss stets genug Zeit bleiben.